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Haltungsgeschichte
Die Ersteinfuhr der Bambuspapageiamadine nach Deutschland erfolgte im Jahr 1930, allerdings zunächst unter der Bezeichnung Grünschwänzige Papageiamadine. Die ersten Tiere pflegte der Zoo Berlin. Dabei handelte es sich um die Unterart R. h. microrhyncha. Im Jahre 1965 gelangten einige dieser begehrten Vögel (Unterart R. h. brunneiventris) durch Bregulla in die Schweiz, wo sie von Dr. Burkard übernommen wurden. Bereits damals war man überrascht über die Unempfindlichkeit dieser Vögel – in Anbetracht der Lebensweise nachvollziehbar. Auch in den folgenden Jahrzehnten gelangten stets nur gelegentlich wenige Vögel nach Europa und Deutschland. Die Erstzucht für Deutschland gelangte 1981 Ehmke, Hilbringen. Im gleichen Jahr waren auch die Zuchtbemühungen von Dr. Burkard erfolgreich. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Importe registriert. Zudem erzielten einige Züchter Zuchterfolge, die dennoch auch in naher Zukunft ein besonders Ereignis darstellen, allerdings für die Erhaltung dieser Art in Menschenobhut unbedingt erforderlich sind.
Eingewöhnung und Unterbringung
Ein Grossteil, der derzeit im Handel erhältlichen Bambuspapageiamadinen, ist der Natur entnommen und hat, auf den amtlichen Vorgaben basierend, eine etwa vierwöchige Quarantäne durchlaufen. Dennoch sollten die Vögel nach dem Erwerb separat untergebracht und sorgfältig eingewöhnt werden, bevor man sie in den eigenen Bestand integriert. Dennoch fällt auf, dass die meisten Tiere im Vergleich zu anderen Importvögeln ein tadelloses Gefieder besitzen und sich in bester Kondition zeigen. Die Unterbringung sollte zunächst in einem Kistenkäfig mit Beleuchtung und zusätzlichem Sichtschutz erfolgen. Die anfängliche Scheu legt sich meist sehr rasch. Einige Tiere werden sogar in kürzester Zeit recht zutraulich. Aufgrund der Nahrungsspezialisierung sind Schwierigkeiten bei der Ernährungsumstellung zu vermuten, jedoch wird man überrascht sein, dass die meisten der gereichten Nahrungsobjekte ohne Zögern angenommen werden. Auch hinsichtlich der Temperatur zeigen sich die Vögel anspruchslos - 18-20°C sind durchaus ausreichend (siehe Lebensweise!). Aus diesen Gründen sind in der Eingewöhnungsphase kaum Verluste zu verzeichnen.
Verhaltensrepertoire
Charakteristisch für das Verhaltensrepertoire der Bambuspapageiamadine sind das stets muntere Wesen und die ausgesprochen inter- und intraspezifische Friedfertigkeit. In diesem Zusammenhang muss daraufhin gewiesen werden, dass aufgrund des relativ stark ausgeprägten Sozialverhaltens diese Papageiamadinenart in einer Gruppe von mindestens 2 bis 3 Paaren gehalten werden sollte. Eine Vergesellschaftung mit anderen Arten ist möglich, allerdings empfiehlt es sich, bei konkreten Zuchtbemühungen, die Tiere separat unterzubringen. Jedoch sind auch in zum Teil sehr dicht besetzten Volieren Zuchterfolge zu verzeichnen.
Der Kontaktruf der Bambuspapageiamadine ist ein zum Teil sehr lautes Zirpen, welches nacheinander von allen Tieren einer Gruppe ausgestossen wird – dadurch kann u. a. die sehr enge soziale Bindung innerhalb der Gruppe bestätigt werden. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wird auch bei Unternehmungen der Vögel im Gruppenverband deutlich – vor allem bei der der Nahrungssuche am Boden oder beim Herumturnen im Geäst. Beim Vortrag des leisen und grasig-raspelnden Gesangs der Männchen können die anderen Tiere, aufmerksam sitzend, in unmittelbarer Nachbarschaft beobachtet werden. Zum Individualkontakt kommt es jedoch selten. Kontaktsitzen und gegenseitige Gefiederpflege konnten bisher noch nicht registriert werden. Während der Ruhephasen sitzen die Vögel mit einer Individualdistanz von etwa 20cm meist im dichten Buschwerk - besonders gern in Gras- oder Bambusdickichten. Der Gesang grenzt stets nur das unmittelbare Revier des Tieres ab und besitzt primär die Aufgabe der Partnerwerbung. Allerdings wird vielfach daraufhin gewiesen, dass das Balzritual deutliche Unterschiede im Vergleich zu anderen Papageiamadinen zeigt – im Folgenden etwas näher erläutert. Zum Teil können die Männchen auch bei halmbalzähnlichen Ritualen mit Blättern und Pflanzenmaterial im Schnabel in der Nähe der Weibchen beobachtet werden, eine Kopulation konnte bisher jedoch nur einmal registriert werden. Oft sind die männlichen Tiere bei der Suche nach geeigneten Werbungsobjekten anzutreffen, die dann zum Teil unter heftigen Wippbewegungen dem Weibchen präsentiert werden. Bei dieser Partnerwerbung nimmt das Männchen eine gegenüber dem Weibchen zugewandte Position ein. Meist reagiert das Weibchen mit ähnlichen Bewegungen – „Antwort-Bewegungen“ der Paarungsbereitschaft. Die zeitliche Beschränkung von Gesangs- und Balzaktivitäten auf Früh- und Abendstunden könnte nicht bestätigt werden – die Vögel konnten mehrmals im Tagesverlauf bei ihren interessanten Balzritualen beobachtet werden. Insgesamt muss das Balzverhalten dieser Art als sehr komplex bezeichnet werden und „weisst eine kompliziert zu analysierende Symbolcharakteristik auf“ (Puschner 2001:378). Das Weibchen folgt meist nach Beendigung der durchaus als aufdringlich zu beschreibenden Halmbalz sehr interessiert dem Männchen. Nach erfolgten Erneuerungsarbeiten in der Voliere zeigen sich die Vögel neugierig und untersuchen ohne Scheu die neu integrierte Volierenausstattung. Die geringe Scheu der Vögel, auf die bereits Robiller hinweist, kann durchaus bestätigt werden. Während der Eingewöhnung zum Teil noch sehr scheu und stürmisch, wandelt sich jedoch das Wesen zunehmend, so dass die Vögel meist in kurzer Zeit sehr zutraulich werden und sogar während der täglichen Fütterung sich neugierig präsentieren und auch beim Betreten der Voliere wenig Scheu zeigen (im Vergleich zu anderen Papageiamadinen deutlich).
Haltung und Haltungsvarianten
Trotz erfolgreicher Eingewöhnung der Bambuspapageiamadinen kann nach mehreren Wochen oder Monaten des Wohlbefindens festgestellt werden, dass sich der Allgemeinzustand einiger Tiere zunehmend verschlechtert, obwohl keine grundlegende Veränderung der Haltungsbedingungen erfolgte. Gesträubtes Gefieder und teilnahmsloses Herumsitzen zeigen deutlich das Nachlassen der Vitalität an. Bei intensiven Beobachtungen wurden ausgeprägte Rhinitis- und Sinusitissymptome festgestellt. Trotz vieler Bemühungen, in Folge falscher Therapie, treten zum Teil erhebliche Verluste auf. In Rückblick auf die mehrjährige Haltung sowie anhand von zahlreichen Gesprächen mit Zuchtfreunden können die zahlreichen Verluste auf eine mangelnde Luftfeuchtigkeit zurückgeführt werden. Pestel betont, dass sich die Vögel erst bei der Integration eines Wasserfalls wohl fühlen. Unter Berücksichtigung der Lage des Verbreitungsgebietes innerhalb der innerasiatischen Tropen mit ganzjährigen Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit bietet diese Aussage durchaus eine Erklärungsgrundlage. Bei der Besichtigung von einigen Zuchtanlagen erfolgreicher Züchter wurde deutlich, dass diese durch die Integration von Grünpflanzen richtig gehandelt haben und den Vögeln auf diese Weise ein tropenähnliches Klima anboten. Gerade die Haltung in Zimmervolieren, bei fehlender zusätzlicher Befeuchtung der Luft, kann als eine wesentliche Ursache plötzlicher Todesfolgen angesehen werden. Da es zu Schädigungen des empfindlichen Schleimhautsystems sowie zu einer Schwächung des Immunsystems kommt. „Bakterielle Vermehrung und verweigerte Futteraufnahme schwächen den Vogelorganismus zusätzlich“ (Puschner 2001:377).
Ernährung
Trotz der Spezialisierung auf die Früchte des Bambus, treten während der Eingewöhnung und weiteren Haltung kaum ernährungsbedingte Schwierigkeiten auf. So schreibt bereits Robiller, dass „sie an das Futter keine besonderen Ansprüche stellen“.
Ein handelsübliches Exotenmischfutter bildet die Grundlage der Ernährung. Es sollte jedoch mit Wildkrautsamen, Knaulgras, Glanz und Japanhirse angereichert werden. Wichtig scheint dieses Futter auch im angekeimten Zustand anzubieten. Im Sommerhalbjahr stehen zahlreiche einheimische Wildkraut- und Grassamen zur Verfügung, die von dien Tieren sehr gern angenommen werden. Dabei ist das Aufhängen kleiner Bündel in den verschiedenen Höhenstufen der Voliere empfehlenswert – so wird auch der natürlichen Nahrungssuche Rechnung getragen. „Die angebotene tierische Nahrung […] sowie in Stücken angebotene Äpfel und Birnen wurden nicht beachtet“ (Puschner 2001:378). Jedoch können die Tiere an in Scheiben geschnittene Gurke gewöhnt werden. Insgesamt ähnelt die Bambuspapageiamadine hinsichtlich der Ernährungsansprüche den anderen nahe verwandten Arten. In der Literatur können viele verschiedene Varianten der Ernährungszusammenstellung nachgelesen werden – doch sollte sich die endgültige Futterzusammenstellung an den individuellen Bedürfnissen der Tiere orientieren. Wie in einem früheren Beitrag soll an dieser stelle auf die Notwendigkeit einer vielseitigen Ernährung verwiesen werden, die einen deutlich positiven Effekt auf die Fitness der Vögel ausübt.
Zuchtbemühungen versus erfolgreiche Zucht
Nach langjähriger Erfahrung muss festgestellt werden, dass eine naturnahe Gestaltung der Voliere, ein geringer Volierenbesatz (Verzicht der Integration anderer Arten) und die Vergesellschaftung mehrerer Paare Bambuspapageiamadinen eine entscheidende Grundlage einer erfolgreichen Zucht darstellen. Jedoch gelingt die Zucht zum Teil auch in einer relativ gering strukturierten Voliere, in der zudem eine hohe Anzahl verschiedener Arten untergebracht ist, wie ich bei einigen Züchterbesuchen feststellen musste – hier scheint wohl die Paarharmonie entscheidend, die daher auch nicht vernachlässigt werden kann.
Mit dem einsetzten der Balzaktivitäten der Männchen zeigen sich auch die Weibchen zunehmend interessiert. Dabei wird zunächst das Männchen aus einiger Entfernung beobachtet. Allmählich nähert sich nun das Weibchen. Häufig werden die Partner bei der Nistplatzsuche im Schutz der Vegetation angetroffen, allerdings verhalten sie sich dabei eher unauffällig. Trotz der häufig zu beobachtenden Balz bleiben die weiteren Aktivitäten der Brutvorbereitungen bei geringem Zeitbudget für eine detaillierte Beobachtung meist verborgen. Das Nest entsteht innerhalb weniger Tage im Schutz der dichten Vegetation, gern werden aber auch halboffene Nistkästen, Bastkörbchen oder Nester anderer Arten bezogen. Das Nest wird in der Regel mit Kokosfasern errichtet, obwohl andere Nistmaterialien zur Verfügung standen. Eine Auspolsterung der Nester erfolgt nicht. Das Gelege besteht aus 2-6 Eiern, die 14 Tage von beiden Partnern bebrütet werden. Nach dem Schlupf der Jungvögel, der durch den Aufenthalt beider Partner im Nest zum Teil vorhergesagt werden kann, sollte ein vielseitiges Angebot an Nahrungsobjekten angeboten werden – trotz nicht beobachteter Aufnahme von animalischen Futterkomponenten sollte Lebendfutter nicht fehlen, da einige Tiere erst nach dem Schlupf der Nestlinge eine erhöhte Präferenz der Aufnahme zeigen. Es ist jedoch daraufhin zu weisen, dass nicht alle Paare ihre Jungvögel optimal versorgen, so dass es während der ersten Lebenstage, aber auch noch gegen Ende der Nestlingszeit zu Verlusten kommen kann – vor allem, wenn sich lediglich 1 Jungtier im Nest befindet. Weiterhin besteht die Gefahr der Unterkühlung der Jungvögel bei unzureichenden Temperaturen, da die Altvögel meist nur wenige Tage hudern.
Insgesamt sollten auch Störungen jeglicher Art unterbleiben, um das Brut- und Aufzuchtgeschehen nicht zu beeinträchtigen. Die Nestlingszeit beträgt deutlich über 21 Tage (bis zu 27 Tage). Allerdings sind die flüggen Jungvögel gut flugfähig. Die Jugendmauser, d. h. der Wechsel in das adulte Federkleid ist im Alter von etwa 4 Monaten abgeschlossen. Viele Vogelliebhaber berichten, dass trotz der langjährigen Haltung unter optimierten Bedingungen keine Nestbauaktivität verzeichnet werden konnte. Die Behauptung, dass „Bambuspapageiamadinen sich bei richtiger Haltung und Ernährung als zuverlässige Zuchtvögel erweisen“ (Nicolai & Steinbacher 2001:129) kann daher keine uneingeschränkte Gültigkeit besitzen.
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